Was «modern» überhaupt heisst
Früher reichte oft eine Mappe mit CV und Brief. Heute kommen dazu: Bewerbung per E-Mail, Upload im Portal, Link zum LinkedIn-Profil — und manchmal die Bitte um ein kurzes Video. Das ist nicht automatisch besser. Entscheidend ist, ob du dem Arbeitgeber die Sache leicht machst und ob du zur Stelle passt.
In vielen Branchen in der Schweiz zählen weiterhin klarer Lebenslauf und ein verständliches Anschreiben (oder eine kurze E-Mail). Alles andere ist Zusatz — nur sinnvoll, wenn es deine Bewerbung unterstützt und nicht von deinen Qualifikationen ablenkt.
Kurzvideo: wann ja, wann lieber nein
Ein Video kann funktionieren, wenn die Stelle Kommunikation, Vertrieb, Lehre oder sichtbare Kundenarbeit verlangt — oder wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich verlangt. Dann reicht meist ein ruhiges Intro von etwa 60 bis 90 Sekunden: wer du bist, was du kannst, warum genau diese Stelle.
Film dich bei Tageslicht, Mikro nah am Handy oder Laptop, Hintergrund aufgeräumt. Kein Skript ablesen, kein Effekt-Video, kein Hintergrundmusik. Lade das Video nicht als 200-MB-Anhang in die Mail — besser unlisted Link (YouTube/Vimeo) oder der Kanal, den die Stellenanzeige vorgibt.
Ohne Aufforderung ein Video mitschicken? Nur wenn du weisst, dass die Firma das schätzt (z. B. aus der Anzeige oder aus dem Branchenumfeld). Sonst wirkt es schnell ungefragt und kostet den Arbeitgeber Zeit.
LinkedIn und andere Profile
LinkedIn ist in der Schweiz vor allem in Office, IT, Marketing, HR und vielen Kader-Rollen normal — nicht überall Pflicht, aber oft ein Plus. Dein Profil sollte zum Lebenslauf passen: gleiche Stationen, keine widersprüchlichen Titel, Foto und Kopfzeile wirken gepflegt, nicht leer.
Im Anschreiben oder in der Mail reicht ein sauberer Link. Schreib nicht «schauen Sie mein ganzes Netzwerk an», sondern einen Satz, was dort relevant ist (z. B. Projekte, Sprachen, Zertifikate). Xing oder Branchenportale nur erwähnen, wenn du sie wirklich pflegst.
Was du weglassen kannst: private Instagram-TikTok-Links, politische Shitstorms in Kommentaren, alte Witze in alten Posts. Arbeitgeber googeln — nicht immer, aber wenn, soll nichts cringen.
Digitale Bewerbungsmappe
Standard bleibt ein gut lesbares PDF: Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse nach Bedarf. Eine Datei pro Dokument, sinnvolle Namen («Lebenslauf_Muster_Max_2026.pdf»), Grösse im Rahmen (Zeugnisse gern komprimiert). Im Betreff und im ersten Satz der Mail klar sagen, was angehängt ist.
Alles in einer ZIP-Datei geht auch — manche HR-Leute mögen es, andere finden es umständlich. Portfolios (Design, Fotografie, Code) als Link zur eigenen Website oder zu GitHub/Behance sind ok, wenn die Stelle das verlangt.
Canva-Lebenslauf mit bunter Grafik? Nur in kreativen Jobs. In Verwaltung, Pflege, Handwerk oder Logistik oft eher klassisch und übersichtlich — da gewinnt Struktur, nicht Dekoration.
Portale und «nur noch online bewerben»
Viele Firmen leiten dich über local-job.ch oder ihre Karriereseite in ein Formular. Felder ausfüllen, PDF hochladen, manchmal Freitext — das ist die Bewerbung, nicht nur ein Klick. Kopiere Texte nicht blind aus dem Anschreiben, wenn das Feld «Motivation in 500 Zeichen» heisst: kürzen und anpassen.
Speichere dir vor dem Absenden eine Kopie (Screenshot oder PDF). Wenn etwas hängen bleibt, siehst du, was schon raus ist. Doppelbewerbungen (Portal plus gleiche Mail an dieselbe Adresse) vermeiden — wirkt unorganisiert.
Was du mit Lebenslauf und Anschreiben abstimmen solltest
Video und LinkedIn ersetzen weder Format noch Länge vom CV noch die Logik im Anschreiben. Wenn du unsicher bist, starte dort:
Moderne Kanäle sind die Verpackung — der Inhalt bleibt dieselbe Arbeit.
Kurz-Check vor dem Absenden
- Stellenanzeige nochmals lesen: Video oder Profil-Link verlangt oder optional?
- Lebenslauf und Profil stimmen inhaltlich überein
- Anhänge öffnen sich auf dem Handy und am PC
- Mail an die richtige Adresse, Betreff mit Stellentitel
- Kein Passwortgeschütztes PDF, das niemand öffnen kann
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